Otto Raich, 28. August 2026

Einer der zentralen Begriffe des Weges der Achtsamkeit ist der Begriff der Akzeptanz.

Damit ist natürlich nicht die Akzeptanz der äußeren Umstände gemeint, wie ZB Ungerechtigkeiten oder nicht tragbare Umstände im Arbeits- oder privaten Umfeld zu akzeptieren, da wäre eher der Begriff der Resignation anzuwenden.

Gemeint ist vielmehr, die Aufmerksamkeit auf innere Zustände lenken und diese dort halten zu können, auch wenn der im Moment gerade erlebte Zustand gewohnheitsmäßig als unangenehm bewertet wird. Einige Bespiele für unangenehme Empfindungen in diesem Zusammenhang sind: wenn in bestimmten Situationen ein flaues Gefühl in der Bauchgegend auftritt, oder ein Druck- Gefühl in der Brust, oder wenn wir bemerken, dass wir nur mehr flach atmen und uns in Folge nicht mehr frei in unserem Denken und Handeln fühlen.

Als „unangenehm“ bewertete Empfindungen im Körper haben meist den Impuls zur Folge sich abwenden und ablenken zu wollen, oder andere Maßnahmen zu ergreifen, den Zustand zu verändern. Das ist zum einen natürlich und gesund, zum anderen kann dies aber die Ursache für ein permanentes Gefühl von getrieben-sein und Stress sein, weil man sich ja in einer ständigen „weg-von“ Bewegung befindet: weg von dem, was ich gerade spüre.

Die Einladung lautet nun, sich Zeit dafür zu nehmen, und auch den Mut dafür aufzubringen, sich für das als „unangenehm“ bewertete Geschehen auf der Ebene der Körperempfindungen wirklich zu interessieren und den Impulsen zum Weggehen und zum Wegmachen nicht zu folgen.

Die innere Haltung während diesem „Dabeibleiben“, während dieses Prozesses ist liebevoll und nachsichtig sich selbst gegenüber zu sein. Es geht nicht darum etwas zu leisten und zu bewerkstelligen oder mit Gewalt irgendwas erreichen zu wollen. Liebevolles Interesse und nicht-wissen müssen wohin es führen wird, sind genug.

Wenn es uns gelingt fühlend ganz beim jeweiligen Geschehen zu bleiben, können wir die energetische Substanz des Schmerzes, des Widerstands, der Blockade erfahren und fühlen uns letztlich von einer Last befreit. Erleichterung tritt ein, wir landen im Herz und wenden uns wieder freudvoll dem Leben zu.

Je bewusster wir uns das Geschehen in diesen unangenehmen Zuständen, Schmerzen und Widerständen erleben getrauen, umso tiefer und vollständiger fühlen wir unsere Lebendigkeit. Dieses interessierte Forschen erweist sich mit zunehmender Erfahrung immer mehr als Quelle von echtem Glück, ein Glück unabhängig von äußeren Umständen.

Damit werden wir auch freier, angesichts der außen sichtbaren Probleme und Herausforderungen im beruflichen und privatem Kontext, natürlich handeln zu können. Natürlich handeln meint, den Umständen gemäß handeln zu können, anstatt gemäß der persönlichen Konditionierung und gemäß den eigenen Glaubenssätzen handeln zu müssen.

Wir können uns wieder voll Vertrauen dem Schwung des Lebens hingeben.

In der Meditationspraxis üben wir diesen Prozess der Akzeptanz, die Zeit und den Mut aufzubringen, fühlend dabeizubleiben und sitzen zu bleiben. Dort erfahren wir die Früchte dieses Weges in einer formalen Situation, sozusagen im Labor, um dann im Alltag die Erfahrung und damit die Gewissheit zu haben, dass das Hierbleiben, unabhängig von der „angenehm“ oder „unangenehm“ Bewertung fühlend präsent zu bleiben, die wahre Quelle des Glücks darstellt.

Text: Otto Raich

Bild: Kristy Thompson