Ulrike Raich-Trauner, 7. Juni 2026
„Ich stehe vor einem Boxsack, Boxhandschuhe an…
Ich spüre bewusst meine Fußsohlen in Kontakt mit dem Boden und atme einmal durch die Füße in den Boden aus, um mich zu erden. Das nächste Einatmen richtet mich auf und bringt mich in meine natürliche Größe.
Ich spüre meinen Atem als Atembewegung im Bauch und in der Brust. Nicht ganz ruhig und gleichmäßig – aber ok. Achtsame Körperübungen haben mich gut vorbereitet – ganz bei mir zu sein, mich wahrzunehmen, mit meinem Atem verbunden zu sein und jetzt ist es soweit…
Was fühle ich gerade? ist die Frage, die mir gestellt wird.
Da ist gespeicherte Alltagsstressspannung im Nacken und ein Gefühlsmix aus Ärger, Nervosität, Frustration, eine Prise Angst und Sorge als Druck im Bauch, … nicht so arg, leicht zu verdrängen, aber wenn ich bewusst hin spüre, doch da. Auf eine Skala von 1 -10 eine 7 – ein eigentlich ganz normaler Alltagszustand!?
Ich stehe vor einem Boxsack, die Boxhandschuhe an…
Nur ein Schlag!
Mir erlauben, meine Kraft zum Ausdruck zu bringen, meine Kraft zu spüren, Energie ins fließen zu bringen… Ich zögere.
Füße am Boden – Erdung – Atemverbindung – innen – außen – ganz da, erlaube ich mir mit dem Einatmen die Energie aus dem Bauchraum hochsteigen zu lassen in meine Arme und Hände und dann…
… mit dem Ausatmen ein Doppelschlag – vielleicht zaghaft beim ersten Mal oder auch einfach nur kraftvoll – ganz individuell.
Dann im Gehen nachspüren – es fließt, es strömt, … – im Körper bleiben, nicht nachdenken, ich kann mich gut im Körper spüren, fühle mich lebendig und da ist Lust auf mehr. Die Lust, mich auszudrücken, Ich zu Sein, meine Kraft zu spüren – nicht gegen jemanden oder etwas – sondern einfach, weil sie da ist und sich ausdrücken kann. Aufgestaute Energie ins Fließen bringen – in Kraft verwandeln…
Ich stehe vor einem Boxsack, die Boxhandschuhe an…“
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Die Auseinandersetzung mit dem Thema Aggression ist ein Kernelement dieser Arbeit.
Aggression ist eine der menschlichen Grundemotionen und steht in seinem ursprünglichen Sinn des „agredere“ (lat.) für die Kraft, an etwas heranzugehen, etwas in Angriff zu nehmen. Also jene Kraft, die wir brauchen um Ziele zu erreichen, in gesunder Art und Weise auszudrücken, was man will und was nicht, sich abzugrenzen, für sich einzustehen. Ein kreatives und schöpferisches „Das bin ich“ Sein.
Wer diese Kräfte unterdrückt oder unterdrücken muss, nicht lernt mit dieser Kraft gut umzugehen, richtet diese Kraft entweder unbewusst gegen sich selbst oder auch oft überschießend gegen andere. Dadurch entsteht Gewalt und Leid.
Es gibt viele Möglichkeiten, diese Energie besser kennen zu lernen, zu kanalisieren, auszudrücken und ins Fließen zu bringen wie verschiedene Formen des Sports, Yoga, Qi Gong, Tönen, Malen, Trommeln, Holzhacken, Bewusste Kampfsportarten und eben die Arbeit am Boxsack …
Ob sich diese Kraft als heilsam und unterstützend oder zerstörerisch und krankmachend erweist, ist aber letztendlich eine Sache des Bewusstseins und dieses kann durch achtsamkeitsbasierte meditative Praxis geschult werden.
„Ich stehe vor einem Boxsack, die Boxhandschuhe an…“
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Das Therapeutische Sandsackboxen entstand im Zuge meine Arbeit als Sport- und Bewegungstherapeutin in der Landesnervenklinik Wagner Jauregg – heute Neuromed Campus.
Zugewiesen wurden zu 80 % Frauen mit depressiver Symptomatik.
Die Arbeit am Boxsack biete ich im Einzelsetting im Rahmen der Medizinischen Trainingstherapie oder auch als Teil des Empowerment of Being Gesundheitscoachings in meiner Praxis an.
Mag.a Ulrike Raich-Trauner
Info unter: https://raich-trauner.com/medizinische-trainingstherapie/
Weiterführender Text:
Vortrag im Zuge der Psychotherapeutischen Tagung im Wagner Jauregg (heute Neuromed Campus) im November 2008 in Linz (PDF auch zum Download):
„Ich lasse Spannung los – Ich lebe meine Kraft. Sandsackboxen als sporttherapeutische Intervention in Psychiatrie und Psychosomatik“ Mag. Ulrike Trauner
Titelbild: Ulrike Raich-Trauner
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